Programm

>> Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt
>> Dirigent: Takao Ukigaya
>> Chor der Singakademie Frankfurt (Oder)

Solisten:
>> Sopran: Elizabeth Wiles
>> Alt: Beate Mewes
>> Tenor: Toyoaki Tanaka
>> Bariton: Karsten Mewes


Zum Werk - 9. Sinfonie d-Moll op. 125

„Wahre Kunst ist eigensinnig“, so sagte Ludwig van Beethoven einst und wenn man den Klängen seiner 9. Sinfonie lauscht, bleibt kein Zweifel, dass er damit Recht hatte.

Das opulente Spätwerk Beethovens entstand zu Beginn der 1820er Jahre, zu einer Zeit der gesellschaftlichen und politischen Enttäuschung. Die Hoffnung auf eine demokratische Zukunft wurde nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon durch den Wiener Kongress dem Erdboden gleichgemacht. Denn damit führten die Fürsten die feudale Ordnung wieder ein, anstatt sie zu beseitigen. So begann Beethoven seine Musik aus einer Desillusioniertheit heraus viel mehr als Gegenpol zur Gesellschaft zu entwickeln, als ihre Ideale und Werte in der Kunst darzustellen. Mit der 9. Sinfonie trieb er seinen Perfektionismus auf die Spitze. In vier imposante Blöcke gekleidet, verleiht er seiner Musik mit unzähligen musikalischen Ideen Ausdruck.

Allegro ma non troppo un poco maestoso

Geheimnisvoll düster beginnt der erste Satz. Freundliche Bilder wollen immer wieder erscheinen, sind aber nicht stark genug; sie verblassen. Helle will sich ausbreiten, Freude möchte sich aufschwingen - vergeblich. Wird die Finsternis siegen?

Molto vivace – Presto

Der zweite Satz ist ein groß angelegtes Scherzo. Seine derb fröhliche Spannung täuscht aber nicht darüber hinweg, dass eine bis zum Zerreißen gespannte Unruhe unter der Oberfläche fiebert. Hell, ausgelassenen Tanz andeutend, fegt der Mittelteil vorüber. Ein schroffer Ausklang steht bevor.

Adagio molto e cantabile

Einen Blick in andere Welten gewährt der dritte Satz. Die Geigen singen ihr friedvolles Hauptthema. Zusammen mit einem zweiten Thema steigert sich die Stimmung zu völlig neuer Entrücktheit.

Presto – Allegro assai

Ein wildes Fortissimo zu Beginn des Finales löscht diese schöne Vision. Celli und Bässe suchen den Aufruhr zu beschwichtigen. Leise tauchen - wie ein fernes Erinnern, verschiedene Themen aus den ersten drei Sätzen wieder auf. Die tiefen Streicher gebärden sich dazu, als wollten sie in Worten ihr Missfallen äußern. Die Bässe greifen es auf und singen nun behäbig vor sich hin: es ist dasselbe Thema, das später zu Schillers Versen „An die Freude“ aufklingt. Es durchwandert alle Stimmen, wird dann aber wieder vom Aufruhr des Beginns verdrängt.

Die 9. Sinfonie in d-Moll op. 125 ist die letzte vollendete Sinfonie Ludwig van Beethovens. Mit einer Aufführungsdauer von ca. 70 Minuten sprengt sie deutlich die damals üblichen Dimensionen und bereitete so den Boden für die zum Teil abendfüllenden Sinfonien der Romantik.


vor